Löschzug-Zusammensetzung

Administrative Aspekte und Einsatztaktik (mit eindeutigem Bezug zum Modellbau!)
Robin Krauß
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Löschzugbesatzung im Wandel der Zeit

Beitrag von Robin Krauß »

Hallo ihr,
mich würde mal interessieren wie sich die Besetzung des Löschzugs von Berufsfeuerwehren seit den 40ern mit dem 3 Fahrzeugekonzept geändert hat. Seit den 80ern? ist es ja normal das auf einem (H)LF maximal eine Staffel sitzt. Wie war es früher gab es mal mit 22 Mann vollbesetzte Löschzüge? Wer von den "alten" Hasen kann was zur "guten alten Zeit" erzählen?
Liebe Grüße Robin
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Arne Klemz
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Re: Löschzugbesatzung im Wandel der Zeit

Beitrag von Arne Klemz »

Ahh, eine sinnvolle Aufgabe für die Älteren, wie schön! 8)

Der alte Mann weiß zu berichten, dass in den 70er und bis Ende der 80er der Berliner Löschzug im optimalen Zustand wie folgt besetzt war:

LF 16: 6 FM (SB) + ZF
TLF 16: 3 FM (SB)
DL 30 bzw. DLK 23-12: 2 FM (SB)
RTW: 3 FM (SB)

macht zusammen 15, also eine Gruppe und eine Staffel.

Aktuell wird i.d.R. zum Feuer mit 2 Staffeln gefahren.

Arne grüßt!
Thorsten Zeizinger
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Re: Löschzug-Zusammensetzung

Beitrag von Thorsten Zeizinger »

Hallo!

In den 50gern und 60gern war es üblich mit 2 Löschgruppen auszurücken. Diese waren auch von nöten um Geräte wie Sprungtücher, Holzschiebleitern, Kettenzüge etc. zum Einsatz zu bringen.

Auch hat heute jede Stadt ihre eigene Zugkombination welche mit Sicherheit alle Ihre Daseinsberechtigung haben.

Ein Grosstanklöschfahrzeug dient oftmals als fahrbarer Hydrant und stellt die Löschmittelversorgung für LF und DLK sicher. Teilweise werden sogar die Sicherungstrupps durch die GTLFs gestellt. Auch das ergibt einen Sinn. Dann können die Angriffstrupps aus LF und DLK sich direkt dem Löschangriff oder der Rettung zuwenden.

Zwei LF bieten eine Geräteredundanz und mehr Personalreserve. Löschmittel ist dann eben nur begrenzt verfügbar. Mehr Personal und die Gerätevielfalt bietet die Möglichkeit auf mehr einsatztaktische Vorgehensweisen. Sind die LF baugleich kennt jeder Mann auch der anderen Wache die Fahrzeuge. Bietet auch gewisse Vorteile.

Das VLF-Konzept wurde auch schon desöfteren heftig kritisiert. Ein Fahrzeug was über 7,5 Tonnen schwer ist und schnell innerstädtisch ausserhalb der Zugverbandes zum Einsatzort vorfahren soll um dort Erstmassnahmen mit 4 Mann durchzuführen...naja...

Auch die Idee der eierlegenden Wollmilchsau in Form eines LF 24 hat sich nie durchgesetzt da einfach das Personal auf diesem Löschgerätewagen zu wenig war um den vollständig einzusetzen. Zumindest wurden diese Fahrzeuge meist unterbesetzt rausgeschickt.

Letzendlich scheitert doch mal wieder alles am Geld. Wenn keine Kohle da ist werden nur die Fensterplätze besetzt. Wenn noch weniger da ist, lässt man die Nachbarwache mit einem LF kommen und wenn gar nix mehr da ist schliesst man Feuerwachen...
Kai Hoffmeyer
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Re: Löschzug-Zusammensetzung

Beitrag von Kai Hoffmeyer »

Hallo,
Thorsten Zeizinger hat geschrieben:In den 50gern und 60gern war es üblich mit 2 Löschgruppen auszurücken. Diese waren auch von nöten um Geräte wie Sprungtücher, Holzschiebleitern, Kettenzüge etc. zum Einsatz zu bringen.
Wie viele BF ausser München hatten denn einen kompletten Zug flächendeckend stehen.( und das auch nur komplett zwischen 1983 und Anfang der 90er).
Die BF Köln mit ihren 11 Wachen hatte nur in den 70ern und Anfang der 80er einen kompletten Zug mit personalmässig zwei Gruppen und auch in München waren in den 50er/60ern die Gruppenwachen noch in der Überzahl, deshalb damals die Doppelzugwache Blumenstr. 34, heute "An der Hauptfeuerwache 8".
Selbst Hans-Georg Prager lässt in seinem Sachbuch "Von Florian 14: Achter Alarm" (BF HH) von 1965 Zivilisten und Polizeibeamte für das Sprungtuch hinzuspringen, durch damals schon vorhandene Springerfunktionen o.ä..
Die Gruppe auf dem LF war damals sicherlich häufiger anzutreffen, teilweise war aber der Schlauchtrupp die Besatzung des TLF....
In den 50er/60er Jahren gab es auch häufiger Zwei-Fahrzeug-Züge bei den BF, mir sind da u.a. auch Exoten mit TLF 16 (1/5) und DL 25 (1/5) bekannt.

Im Übrigen wurde auch die Holzschiebleiter (dreiteilig) genauso mit zwei Trupps in Stellung gebracht, wie die heute meist anzutreffende dreiteilige Aluminium-Schiebleiter.
Auch die Idee der eierlegenden Wollmilchsau in Form eines LF 24 hat sich nie durchgesetzt da einfach das Personal auf diesem Löschgerätewagen zu wenig war um den vollständig einzusetzen. Zumindest wurden diese Fahrzeuge meist unterbesetzt rausgeschickt.
Es hat einige Feuerwehren gegeben die lange auf das LF 24 -oder wie immer auch bezeichnet- gesetzt haben. Im Übrigen was ist der Unterschied zwischen einem LF 24 und einem HLF 20/16? - eigentlich keiner -, heute fahren viele kleinere Feuerwehren also mit dem Nachfolger des LF 24 herum. (einfach mal die Beladelisten der Fahrzeuge anschauen)
Letzendlich scheitert doch mal wieder alles am Geld.
Das stimmt vollkommen, hat aber mit den Kommunalfinanzen zu tun.
Die Städte mit Berufsfeuerwehren richten sich nun mal meist nach der "anerkannten Regel der Technik" ->also sog. AGBF-Standard, kurz: zehn Funktionen nach acht Minuten, sechs weitere fünf Minuten später (evtl. u.a. durch die FF).
Das Schutzziel der Feuerwehr ist immer eine politische Entscheidung, selbst bei Brandschutzbedarfsplänen o.ä.
Wenn keine Kohle da ist werden nur die Fensterplätze besetzt
Das ist so eine Aussage, bei der ich Gänsehaut auf dem Rücken bekomme (das hat nicht mit Dir zu tun, das bekomme ich immer bei dieser häufig benutzten Aussage).
Welche Plätze denn noch(?) (ja ich weiss S-Tr und ME), aber selbst die FwDV 3 geht seit längerem (als Ersatz der FwDV 4) grundsätzlich vom Einsatz einer Staffel (1/5) aus, alles andere ist dort "nice to have" und welche Plätze ausser den "Fensterplätzen" sind dann besetzt......

Gruss Kai
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